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Die Hominisation beschreibt den stammesgeschichtlichen Prozess der Menschwerdung, geprägt durch den aufrechten Gang, die Vergrößerung des Gehirns und die kulturelle Evolution. Dieser Prozess begann mit den ersten Primaten vor etwa 65 Millionen Jahren und führte über affenartige Primaten und die ersten menschenartigen Affen (vor 16-23 Mio. Jahren) schließlich zu den Menschenaffen und der Gattung Homo.
Die Hominisation (Menschwerdung) ist ein Teilprozess der Evolution, der zur Entstehung des modernen Menschen führte. Der Mensch gehört zur Ordnung der Primaten, die sich zu Beginn des Tertiärs vor ca. 65 Millionen Jahren entwickelten. Das Auftauchen der ersten affenartigen Primaten wird auf vor etwa 34 Millionen Jahren datiert. Mittels DNA-Analysen wurde berechnet, dass die ersten menschenartigen Affen vor ca. 16 bis 23 Millionen Jahren aufgetaucht sind. Der Mensch teilt mit den heute lebenden Menschenaffen (Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans) gemeinsame Vorfahren. Die Trennung der Linie, die zum Menschen führt, von der Linie der Schimpansen erfolgte vor etwa 6 bis 7 Millionen Jahren.
Eines der frühesten und entscheidendsten Merkmale der Hominiden (Menschenartigen) ist die Bipedie (der aufrechte, zweibeinige Gang). Dieser entwickelte sich lange vor der massiven Zunahme des Gehirnvolumens. Die Bipedie bot energetische Vorteile bei langen Wanderungen in der Savanne, verbesserte die Thermoregulation durch eine geringere Sonnenexpositionsfläche und gab die Hände für den Gebrauch von Werkzeugen frei. Der aufrechte Gang wurde erstmals für die Gattung Australopithecus postuliert und durch Funde fossiler Fußspuren und anatomische Untersuchungen an Knochen bestätigt.
Die Gattung Australopithecus (Vormenschen) lebte vor ca. 4 bis 2 Millionen Jahren in Afrika. Die ältesten Funde von Menschenaffen sind jedoch bereits ca. 7 Millionen Jahre alt und weisen Mischungen primitiver und höherer Merkmale auf. Ein bekanntes Fossil der Australopithecinen ist 'Lucy' (Australopithecus afarensis), ein 1974 gefundenes, auf 3,2 Millionen Jahre datiertes und zu ca. 40% erhaltenes Skelett. Diese Wesen gingen bereits aufrecht, besaßen aber noch ein relativ kleines Gehirnvolumen (ca. 400-500 cm³), das dem heutiger Menschenaffen ähnelt. Sie markieren den Übergangsbereich in der menschlichen Stammesgeschichte.
Aus dem Australopithecus entwickelte sich vor zwei bis drei Millionen Jahren die Gattung Homo. Zu den ersten bekannten Arten zählen Homo rudolfensis (benannt nach dem Fossil-Fundort beim Rudolf-See) und Homo habilis („geschickter Mensch“). Im Unterschied zum Australopithecus hatten sie einen größeren Hirn- und kleineren Gesichtsschädel. Die Zunahme des Gehirnvolumens (Enzephalisation) wird von vielen Anthropologen als Merkmal für den Aufstieg der Gattung Homo gesehen. Homo habilis gilt als einer der ersten Vertreter, der systematisch Steinwerkzeuge herstellte. Sein Gehirn war mit ca. 600-700 cm³ bereits deutlich größer als das der Australopithecinen.
Vor ca. 2 Millionen Jahren tauchten Homo ergaster (von manchen zu Homo erectus gezählt) und Homo erectus auf. Homo erectus war der erste aus der Gattung Homo, der Afrika verlassen haben dürfte und sich über Asien und Europa ausbreitete. Er besaß ein Gehirnvolumen von bis zu 1200 cm³. Homo heidelbergensis entwickelte sich vor ca. 800.000 Jahren und zeichnete sich durch ein größeres Gehirnvolumen als Homo erectus aus. Aus diesen entwickelten sich in Europa der Homo neanderthalensis, während sich zur etwa selben Zeit aus den in Afrika verbliebenen Homo erectus Populationen der Homo sapiens entwickelte.
Der Homo neanderthalensis (Neandertaler) war perfekt an das eiszeitliche Europa angepasst. Er besaß ein durchschnittlich sogar größeres Gehirnvolumen als der heutige Mensch, war kräftig gebaut und praktizierte bereits kulturelle Handlungen wie Bestattungen. Er ist kein direkter Vorfahre des modernen Menschen, sondern ein ausgestorbener Seitenast.
Der moderne Mensch, Homo sapiens, entstand vor etwa 300.000 Jahren in Afrika. Gemäß der Out-of-Africa-Theorie ist der Homo sapiens vor ca. 100.000 bis 200.000 Jahren in Afrika entstanden und hat sich vor ca. 60.000 bis 70.000 Jahren in andere Regionen der Erde ausgebreitet. Moderne genetische Untersuchungsmethoden unterstützen diese Theorie. Homo sapiens besiedelte von dort aus die restliche Welt und verdrängte andere Hominidenformen wie den Neandertaler, wobei es zu geringfügigen Vermischungen kam. Er ist der letzte noch lebende Vertreter der Gattung Homo. Charakteristisch für Homo sapiens ist die ausgeprägte Fähigkeit zu abstraktem Denken und komplexer Sprache.
Anatomisch unterscheidet sich der Mensch von Menschenaffen durch das schüsselförmige Becken (Stütze der Eingeweide beim Stehen), die S-förmig gebogene Wirbelsäule (Stoßdämpferfunktion) und den nicht-opponierbaren großen Zeh, der das Abrollen des Fußes beim Gehen ermöglicht.