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Die Sinnesorgane Auge, Ohr, Nase, Zunge und Haut fungieren als biologische Messstationen, die physikalische und chemische Reize in elektrische Signale umwandeln und so die Kommunikation mit der Umwelt ermöglichen.
Sinnesorgane wirken als Transducer (Umwandler). Sie nehmen spezifische Reize wie Lichtwellen, Schallwellen oder Druck auf und übersetzen diese in Aktionspotenziale, die das Nervensystem verarbeiten kann.
Die fünf klassischen Sinne sind Sehen (visuelle Wahrnehmung), Hören (auditive Wahrnehmung), Riechen (olfaktorische Wahrnehmung), Schmecken (gustatorische Wahrnehmung) und Tasten (taktile Wahrnehmung). Die Reize werden von den Sinnesorganen aufgenommen, über Nervenfasern weitergeleitet, gefiltert und mit gespeicherten Informationen abgeglichen, um im Gehirn Wahrnehmungen zu erzeugen.
Das Auge ist in drei Schichten aufgebaut: Die äußere Sclera (Lederhaut) schützt den Augapfel, die mittlere Choroidea (Aderhaut) sichert die Blutversorgung, und die innere Retina (Netzhaut) enthält die Lichtsinneszellen.
Der Augapfel (Bulbus oculi) ist annähernd kugelförmig und wird durch die Linse und die Iris in einen vorderen (Hornhaut) und einen hinteren (Glaskörper) Abschnitt geteilt. Der dioptrische Apparat, bestehend aus Hornhaut, vorderer Augenkammer, Linse und Glaskörper, bricht das Licht und erzeugt auf der Netzhaut ein verkleinertes, umgekehrtes Bild. Dabei verarbeitet das Auge elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich von ca. 400–750 nm.
In der Retina befinden sich zwei Haupttypen von Photorezeptoren: Die Stäbchen sind extrem lichtempfindlich und ermöglichen das Hell-Dunkel-Sehen bei Dämmerung, während die Zapfen für das Farbsehen und die Sehschärfe bei Tageslicht zuständig sind.
Das Verhältnis von Zapfen zu Stäbchen beträgt etwa 1:20. Die höchste Dichte an Photorezeptoren findet sich im gelben Fleck (Macula), wo fast ausschließlich Zapfen sitzen. Im Zentrum des gelben Flecks liegt die Fovea centralis, der Ort des schärfsten Sehens. Die Pupille reguliert den Lichteinfall und wird durch zwei glatte Irismuskeln reflektorisch über den Pupillenreflex gesteuert, wobei der Nervus opticus und zentrale Verschaltungen eine konsensuelle Reaktion beider Augen bewirken. Die Akkommodation erfolgt über die Ziliarmuskeln: Bei Fernsicht wird die Linsenkrümmung vermindert, bei Nahsicht verstärkt. Fehlsichtigkeit: Bei Myopie (Kurzsichtigkeit) ist der Augapfel zu lang, der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut. Bei Hyperopie (Weitsichtigkeit) ist er zu kurz, der Brennpunkt liegt dahinter. Die Normalsichtigkeit heißt Emmetropie.
Das Ohr gliedert sich in Außen-, Mittel- und Innenohr. Im Mittelohr verstärken die drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel) die Schwingungen des Trommelfells und leiten sie an das Innenohr weiter.
Schallwellen können über Luft, Wasser oder Vibrationen übertragen werden. Die Frequenz wird in Hertz (Hz) gemessen, die objektive Lautstärke in Dezibel (dB), die subjektive in Phon. Der Hörbereich eines jungen Erwachsenen reicht von etwa 16 Hz bis 20.000 Hz, der Lautstärkebereich von 4 Phon (Hörschwelle) bis 130 Phon (Schmerzgrenze). Bei 1000 Hz stimmen Phon und dB überein. Das Mittelohr enthält die luftgefüllte Paukenhöhle, die über die Eustachische Röhre mit dem Rachen verbunden ist. Die Verbindung zum Innenohr stellen das ovale und das runde Fenster her. Im Innenohr wandeln die Haarzellen in der Cochlea die Schwingungen in neuronale Impulse um, die über den Hörnerv (Teil des 8. Hirnnervs) zum primären auditorischen Kortex im Temporallappen ziehen.
Im Innenohr liegt die Cochlea (Hörschnecke), in der Schallwellen in Nervenimpulse umgewandelt werden, sowie das Vestibularorgan (Gleichgewichtsorgan), das aus Bogengängen und Makulaorganen besteht.
Der Vestibularapparat erfasst Kopf- und Körperbewegungen: Die drei Bogengänge mit ihren Ampullen registrieren Drehbewegungen, während die Makulaorgane Utriculus und Sacculus Linearbeschleunigungen sowie die Kopfposition im Raum wahrnehmen.
Der Geruchssinn zählt zu den chemischen Sinnen und interagiert eng mit dem Geschmack. Die Riechzellen sind primäre Sinneszellen in der oberen Nasenmuschel. Geruchsmoleküle binden an Rezeptoren, die ein G-Protein aktivieren. Die marklosen Axone (Fila olfactoria) ziehen durch die Lamina cribrosa des Siebbeins und bilden den Nervus olfactorius (1. Hirnnerv), der zum Bulbus olfactorius zieht. Die zentralnervöse Verarbeitung ist stark mit dem limbischen System verkoppelt, was emotionale Reaktionen auf Gerüche erklärt. Unangenehme Gerüche können Schutzreflexe wie Würgen auslösen. Riechstörungen: Anosmie (vollständiger Verlust), Hyposmie (verminderte Wahrnehmung), Hyperosmie (übersteigerte Wahrnehmung), Parosmie/Kakosmie (veränderte Wahrnehmung) und Phantosmie (Geruchswahrnehmung ohne Reiz).
Der Geschmackssinn dient als Nahsinn der Nahrungsprüfung und steuert reflektorisch Speichel- und Magensaftsekretion. Die Geschmacksknospen in den Papillen der Zunge enthalten sekundäre Sinneszellen, die fünf Grundqualitäten erkennen: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Entgegen verbreiteter Annahme gibt es keine spezifischen Geschmackszonen auf der Zunge. Schärfeempfindung wird nicht über den Geschmackssinn, sondern über den Trigeminusnerv (Capsaicin-Rezeptoren) vermittelt.
Die Haut ist das größte Organ, bedeckt eine Fläche von 1,5–2 m² und wiegt 3–5 kg. Sie bildet eine mechanische, chemische, thermische und UV-Schutzbarriere, verhindert Austrocknung und mikrobielle Invasion und ist an der Thermoregulation und Vitamin-D-Synthese beteiligt. Ein pH-Wert von 5,5 (Säureschutzmantel) wirkt keimfeindlich. Die Haut besteht aus drei Schichten: die gefäßlose Epidermis (Oberhaut), die bindegewebige Dermis (Lederhaut) und die fettreiche Subcutis (Unterhaut).
Die Epidermis ist ein mehrschichtiges verhornendes Plattenepithel, das zu über 90 % aus Keratinozyten besteht, die durch Desmosomen zusammengehalten werden und Keratin produzieren. Sie ist gefäßfrei und wird mittels Diffusion von der darunterliegenden Dermis über die Basalmembran ernährt. Von innen nach außen werden fünf Schichten unterschieden: Das Stratum basale (Basalzellschicht) enthält die adulten Stammzellen und eingestreute Melanozyten; das Stratum spinosum (Stachelzellschicht) ist reich an Desmosomen und beherbergt Langerhans-Zellen (Immunabwehr); das Stratum granulosum (Körnerzellschicht) zeigt Keratohyalingranula und den programmierten Zelltod der Keratinozyten; das Stratum lucidum (Glanzschicht) kommt nur an Handflächen und Fußsohlen vor; und das Stratum corneum (Hornschicht) besteht aus kernlosen Korneozyten, die ständig abgeschilfert werden (Desquamation). Unter Sonnenlicht synthetisiert die Epidermis eine Vorstufe des Vitamin D3. Merkel-Zellen in der Basal- und Stachelzellschicht fungieren als Mechanosensoren.
Zu den Hautanhangsgebilden (Adnexe) zählen Haare, Nägel und Drüsen. Haare sind lange Keratinfäden, die in Haarfollikeln sitzen und mit Talgdrüsen assoziiert sind. Nägel bestehen aus abgestorbenen, verhornten Keratinozyten; die Nagelplatte entspricht dem Stratum corneum und ruht auf dem Nagelbett (nur Stratum basale und spinosum). Unter den Drüsen unterscheidet man Talgdrüsen (holokrin, münden meist in Haarfollikel, fehlen in unbehaarter Leistenhaut und bestimmten Schleimhäuten) sowie Schweißdrüsen: ekkrine (merokrine) Schweißdrüsen dienen der Thermoregulation und sondern ein wässriges Sekret ab, apokrine Schweißdrüsen produzieren ein proteinhaltiges Duftsekret.
Die Dermis (Lederhaut) gliedert sich in die Papillarschicht und die retikuläre Schicht. Sie ist stark durchblutet und versorgt die Epidermis; arteriovenöse Anastomosen spielen eine Rolle bei der Temperaturregulation. In der Dermis liegen Meissner-Tastkörperchen (leichte Berührung, besonders dicht in Fingerspitzen und Lippen) und Ruffini-Körperchen (Dehnungssensoren). Die Subcutis (Unterhaut) besteht vor allem aus Fettgewebe, das als Energiespeicher, Wärmeisolator und mechanisches Polster fungiert. Hier befinden sich Vater-Pacini-Lamellenkörperchen, die Vibration und starken Druck registrieren.
In der Haut befinden sich spezialisierte Rezeptoren für verschiedene Reize: Meissner-Körperchen reagieren auf leichte Berührung, während Pacinian-Körperchen (Vater-Pacini) auf Vibrationen spezialisiert sind.
Zusätzlich zu den Meissner- und Pacinian-Körperchen finden sich in der Haut Merkel-Zellen, die auf anhaltenden Druck reagieren (in behaarter Haut als Merkel-Tastscheiben), sowie Ruffini-Körperchen, die Gewebedehnung und Scherkräfte registrieren. In behaarten Hautarealen übernehmen zudem Haarfollikelsensoren die Berührungswahrnehmung. Freie Nervenendigungen in der Haut dienen als Nozizeptoren (Schmerz) und Thermorezeptoren. Der Mensch verfügt über rund 250.000 Kälterezeptoren und etwa 25.000 Wärmerezeptoren, mit besonders hoher Dichte an Kinn, Nase, Ohren und Lippen. Die Tiefensensibilität (Propriozeption) ermöglicht die Wahrnehmung von Stellung, Bewegung und Kraft und wird durch Muskelspindeln und das Golgi-Sehnenorgan in Muskeln und Sehnen vermittelt.